Ein zentraler Aspekt der Antikörpertherapie ist der Zeitpunkt ihres Einsatzes. Denn nur bei frühzeitiger Gabe der monoklonalen Antikörper können insbesondere bei COVID-19-Patientinnen und -Patienten, bei denen stationäre Behandlungen zu erwarten sind, schwere Krankheitsverläufe vermieden werden. Der Einsatz der Antikörpermedikamente bei Krankenhauseinweisung der Patienten kommt oftmals zeitlich zu spät.

Der Beginn der Infusionstherapie (Einmalinfusion in die Vene) sollte – um erfolgreich zu sein – möglichst innerhalb von fünf Tagen nach positivem PCR-Test beziehungsweise sieben Tagen nach Symptombeginn erfolgen

Für die Gabe der monoklonalen Antikörper muss rund eine Stunde in einem abgetrennten (infektiösen) Bereich eingeplant werden – hinzu kommt etwa eine Stunde Nachbetreuung.
„COVID-19-Patientinnen und -Patienten erhalten die monoklonalen Antikörper in Form einer intravenösen Infusion.

 

Voraussetzungen für die Infusiontherapie

COVID-19-Patientinnen und -Patienten können von einer Therapie mit monoklonalen Antikörpern profitieren, wenn sie:
• die Diagnose einer leichten bis moderaten COVID-19-Erkrankung erhalten haben,
• sich in der frühen Phase der Erkrankung, vorzugsweise innerhalb eines Zeitraums von sieben Tagen nach Symptombeginn, befinden,
• mindestens zwölf Jahre alt sind und ein Gewicht von mindestens 40 kg haben,
• ein Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen.


Risikofaktoren für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung sind insbesondere:
• Alter über 60 Jahre,
• Übergewicht,
• kardiovaskuläre Erkrankungen einschließlich Hypertonie,
• chronische Lungenerkrankungen einschließlich Asthma,
• Diabetes Typ 1 und 2,
• chronische Nierenerkrankungen,
• chronische Lebererkrankungen oder
• Immunsuppression.

 
Monoklonale Antikörper gegen SARS-CoV-2 sind jedoch ein wichtiger Baustein in der Therapie von COVID-19, insbesondere zur Vermeidung von schweren Verläufen. Bei immundefizienten Patientinnen und Patienten (durch Grunderkrankung und/oder medikamentöse Immunsuppression) sowie ungeimpften oder unvollständig geimpften immunkompetenten Patientinnen und Patienten mit Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf wird bei geeignetem klinischem Setting eine Therapie mit neutralisierenden monoklonalen Antikörpern empfohlen, insofern diese gegen die aktuell vorherrschende Virusvariante als wirksam bewertet werden.


Wie monoklonale Antikörper wirken
Monoklonale Antikörper gegen SARS-CoV-2 sind Immunglobuline, die spezifisch gegen das Oberflächen-Spike-Protein von SARS-CoV-2 gerichtet sind. Im Gegensatz zu Hyper-Immunglobulinen, Rekonvaleszentenplasma und Sera bestehen monoklonale Antikörper aus identischen Immunglobulin-Molekülen mit einer einzigen Aminosäuresequenz und einer einzigen Erkennungsdomäne für die spezifische Struktur des Antigens. Sie binden an das Spike-Protein auf der Oberfläche des Coronavirus und blockieren so die Bindung der SARS-CoV-2-Viren an die Rezeptoren auf der Oberfläche der Zellen der Infizierten. Damit wird ein Eindringen der Viren in die Zellen und die Replikation der Viren dort verhindert.
SARS-CoV-2 neutralisierende monoklonale Antikörper helfen – wenn sie im frühen Stadium der Infektion gegeben werden – auf diese Weise, die Virusmenge in der Patientin beziehungsweise im Patienten zu begrenzen und beeinflussen den Krankheitsverlauf positiv. Studien zufolge wurden Patientinnen und Patienten nach einer Behandlung mit monoklonalen Antikörpern weniger häufig ins Krankenhaus eingeliefert oder haben eine Notaufnahme aufgesucht.


Details zu der Empfehlung der FG COVRIIN zum Einsatz der neutralisierenden monoklonalen Antikörper sind in dem Dokument „Therapieübersicht bei COVID-19“
(Medikamentöse Therapie bei COVID-19 mit Bewertung durch die Fachgruppe COVRIIN am Robert Koch-Institut (rki.de <http://rki.de/>)) sowie „Antivirale Therapie in der Frühphase einer SARS-CoV-2-
Infektion“ (Antivirale Therapie in der Frühphase einer SARS-CoV-2-Infektion (rki.de <http://rki.de/>)) zu finden. Bei der Wahl der monoklonalen Antikörper für die Therapie oder Prophylaxe sind die aktuelle epidemiologische Lage (RKI - Coronavirus SARS-CoV-2 - Wochenberichte zu COVID-19) und die Wirksamkeit gegen die einzelnen Virusvarianten zu berücksichtigen.


Weitere Informationen
Die Europäische Kommission hat am 17.12.2021 den monoklonalen Antikörper Xevudy (Sotrovimab) von GlaxoSmithKline Trading Services Limited zur Behandlung von COVID-19 zugelassen. Damit folgte sie der Empfehlung des Ausschusses für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use, CHMP) bei der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) vom 16.12.2021. Sotrovimab gehört zu den SARS-CoV-2 neutralisierenden Antikörpern.

•EMA News – COVID-19: EMA empfiehlt Zulassung des Antikörpermittels Xevudy (Englisch) <https://www.ema.europa.eu/en/news/covid-19-ema-recommends-authorisation-antibody-medicine-xevudy>
•Dossier Coronavirus - Biomedizinische Arzneimittel (SARS-CoV-2-neutralisierende monoklonale Antikörper <https://www.pei.de/DE/newsroom/dossier/coronavirus/coronavirus-inhalt.html?cms_pos=5>

•https://http://www.pei.de/DE/newsroom/hp-meldungen/2021/211217-eu-zulassung-antikoerper-xevudy-gegen-covid-19.html